Klaus Kinski war von 1971 bis 1979 mit Minhoi Geneviève Loanic verheiratet, in dritter und letzter Ehe. Die Mutter des Schauspielers Nikolai Kinski kam als Kind aus Vietnam nach Frankreich. Nach Kinskis Tod gab sie den Anstoß zu einem Film über seinen Berliner Skandalauftritt und ging gegen unerlaubte Nutzungen seines Werks vor.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Sie wurde 1949 oder 1950 in Vietnam geboren und stammt laut einer Agenturmeldung von 1971 aus Saigon.
- Ihr Sohn, der Schauspieler Nikolai Kinski, kam 1976 in Paris zur Welt.
- Nach Kinskis Tod 1991 erbte sie mit dem Sohn die Rechte an seinen Texten.
- 2018 lebte sie nach Angaben ihres Sohnes in Portugal.
Kinski sei „zu viel von allem“ gewesen. So begründete Minhoi Loanic ihre Trennung von ihm. Die „Süddeutsche Zeitung“ hat den Satz überliefert.
Mehr als 30 Jahre später war sie auf der Berlinale dabei, als ein Dokumentarfilm über Kinskis Auftritt in der Berliner Deutschlandhalle vorgestellt wurde. An jenem Abend im November 1971 war sie in der Halle gewesen.
Woher stammt Minhoi Loanic?
Sie kam 1949 oder 1950 in Vietnam zur Welt, als Tochter einer Vietnamesin und eines französischen Soldaten. Frankreich führte damals Krieg in Indochina. Ihr Sohn erzählte ihre Geschichte 2018 in einem Interview zu seinem ZDF-Film „Ein Sommer in Vietnam“, in dem er einen deutsch-vietnamesischen Arzt spielte. „Obwohl meine Mutter in erster Linie Französin ist und selbst wenig Zeit in Vietnam verbracht hat, ist ihre Geschichte, die in Vietnam begann, eine unglaubliche“, sagte er.
Mit sechs Jahren wurde sie mit dem Schiff nach Marseille geschickt und wuchs in einem Waisenhaus bei Nonnen auf. In Frankreich nahm sie den Namen Geneviève an. Ihren Vater fand sie nach langer Suche mit 50 Jahren, ihre Mutter nie.
Die Ehe mit Klaus Kinski
Kinski lernte sie 1969 in Rom kennen, auf einer Party in seiner Villa an der Via Appia. Sie war 19 und studierte Sprachen, er war mehr als doppelt so alt. Vor allem in Artikeln über ihren Sohn wird sie als Model bezeichnet. Belege für eine Modelkarriere gibt es aber nicht.
Vor der Hochzeit verbreitete die Agentur Keystone Fotos des verlobten Paares am Strand von Fregene bei Rom. Die Braut sei 21, stamme aus Saigon und sei noch nie beim Film gewesen, stand in der Bildunterschrift. Die beiden heirateten im Frühjahr 1971 in Rom. Aus seinen ersten beiden Ehen, mit Gislinde Kühbeck und Ruth Brigitte Tocki, hatte Kinski die Töchter Pola und Nastassja.
Kinski trug am 20. November 1971 in der Berliner Deutschlandhalle seinen Text „Jesus Christus Erlöser“ vor und ließ den Abend filmen. Seine Frau war dabei. Das Publikum unterbrach ihn immer wieder, einige Zuschauer kamen auf die Bühne und stritten mit ihm. Erst um zwei Uhr früh war der Abend vorbei. In seiner Autobiografie „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“ von 1975 beschrieb Kinski, wie er danach mit ihr in den Grunewald fuhr, statt ins Hotel Kempinski zurückzukehren. „Minhoï hat mich verstanden, obwohl ich während der Vorstellung nur deutsch gesprochen habe“, schrieb er.
In den Siebzigerjahren lebte das Paar in Paris, wo am 30. Juli 1976 der Sohn Nanhoï Nikolai geboren wurde. Bald nach der Geburt trennte sich Minhoi Loanic von Kinski, im Februar 1979 wurde die Ehe geschieden.
Kinski folgte ihnen nach Kalifornien
Nach der Scheidung reiste sie mit ihrem kleinen Sohn viel, laut SZ durch Frankreich, Südostasien, Nordafrika und Mittelamerika. Ihr neuer Lebensgefährte, ein niederländischer Kunsthändler, lebte in Lagunitas nördlich von San Francisco. Dort wohnten Mutter und Sohn zwischen den Reisen, 1981 ließen sie sich ganz dort nieder.
„In den ersten Jahren meiner Kindheit bin ich mit meiner Mutter und meinem Stiefvater eigentlich nur gereist. Ich finde, Reisen ist das Tollste, was man mit Kindern machen kann.“
Nikolai Kinski 2018 im Gespräch mit der WAZ
Klaus Kinski zog hinterher. Anfang der Achtzigerjahre kaufte er ein Waldgrundstück bei Lagunitas und wohnte dort in einem einfachen Blockhaus. „Er wollte nicht in Deutschland, in Paris oder in Los Angeles leben. Er zog hierher, um seinem Sohn nahe zu sein“, sagte der US-Filmproduzent Tom Luddy 2016 der Deutschen Presse-Agentur. Kinski starb dort am 23. November 1991 mit 65 Jahren an einem Herzinfarkt, als sein Sohn 15 war.
Kinskis Erbin
Die Rechte an Kinskis Texten erbten Minhoi Loanic und ihr Sohn. Das Label Bear Family Records brachte im Oktober 1999 ohne ihre Erlaubnis einen Tonmitschnitt des Berliner Abends heraus. Die beiden klagten, im Dezember zog das Label die Aufnahme zurück.
Etwa zur selben Zeit erzählte sie dem Autor Peter Geyer von den Filmaufnahmen jenes Abends. Ihr sei wichtig gewesen, dass aus dem Material irgendwann etwas entstehe, sagte er 2008. Mutter und Sohn machten Geyer zum Verwalter von Kinskis Nachlass.
Gegen ein Buch ging sie 2006 vor. Wegen einer Passage über sie in Christian Davids Kinski-Biografie erwirkte sie eine einstweilige Verfügung, und der Aufbau-Verlag musste Exemplare zurückrufen. Das Landgericht Berlin hob die Verfügung im Dezember 2006 wieder auf, das Buch kam ungekürzt zurück in den Handel.
Auf dem Podium der Berlinale
Geyer schnitt aus den Aufnahmen den Dokumentarfilm „Jesus Christus Erlöser“, der im Februar 2008 auf der Berlinale lief. Bei der Pressekonferenz am 11. Februar saß Minhoi Loanic mit Geyer und ihrem Sohn auf dem Podium. Eine Journalistin fragte Nikolai Kinski, wie sein Vater mit dem Abend fertiggeworden sei. Er sei damals noch nicht auf der Welt gewesen, antwortete er, und gab die Frage an seine Mutter weiter: „Willst du antworten?“
Sie antwortete auf Englisch. Kinski habe sich nach der Vorstellung schnell wieder gefasst und sei bis zum Schluss auf der Bühne geblieben. „Er war kein Drückeberger“, lautete ihr Satz in der deutschen Übersetzung. Zufrieden wäre er schon gewesen, wenn zwei Leute ihm wirklich zugehört hätten. Sie selbst sei stolz, den Film nun einem großen Publikum zeigen zu können.
Krankenakte und Kölner Theaterstück
Fünf Monate nach der Berlinale, im Juli 2008, gab der Klinikbetreiber Vivantes Tausende historische Patientenakten an das Landesarchiv Berlin ab. Darunter war Kinskis Akte aus der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, in der er im September 1950 drei Tage verbracht hatte. Die „Bild“ druckte Einzelheiten daraus.
Über ihren Anwalt Ferdinand von Schirach erstattete Minhoi Loanic Strafanzeige gegen Verantwortliche von Archiv und Klinik. Sie sei weder gefragt noch informiert worden, erklärte Schirach, wie der „Spiegel“ berichtete. In mehreren Berichten hieß sie damals Kinskis Witwe, obwohl die Ehe seit fast 30 Jahren geschieden war.
Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen im März 2009 ein. Die Herausgabe der Akte sei zwar nicht rechtmäßig gewesen, hieß es zur Begründung, der Archivleiter habe sich aber auf den Rat des Datenschutzbeauftragten verlassen. Ihr Sohn einigte sich im April 2009 in einem eigenen Verfahren vor dem Verwaltungsgericht mit dem Archiv. Es sagte zu, ihn zu informieren, bevor es die Akte an Dritte herausgibt.
Parallel klagten Mutter und Sohn in Köln gegen ein Ein-Mann-Stück, das zu mehr als einem Drittel aus Kinski-Zitaten bestand. Es lief vor neun bis zwölf Zuschauern pro Abend und hatte bis dahin 3000 bis 5000 Euro Verlust gebracht, berichtete „Focus“. Das Landgericht Köln schlug im Januar 2009 vor, die Theatermacher sollten die Erben am Gewinn beteiligen. Die beiden lehnten ab. Ihre Anwältin nannte neben dem Urheberrecht auch mögliche Nachteile für Nikolai Kinski, der selbst mit Texten seines Vaters auftrat und daran ein wirtschaftliches Interesse habe.
Das Landgericht wies die Klage im Februar 2009 ab. Das Oberlandesgericht Köln gab den beiden im Juli recht. Die Rechte an Kinskis Texten stünden seiner früheren Frau und dem gemeinsamen Sohn als Erben zu, befand das Gericht. Geschützt sind die Texte nach deutschem Urheberrecht bis Ende 2061, 70 Jahre nach Kinskis Tod. Wer sie zu seinem 100. Geburtstag am 18. Oktober neu veröffentlichen oder aufführen will, braucht die Zustimmung der Rechteinhaber.
Wo lebt Minhoi Loanic heute?
2018 lebte Minhoi Loanic in Portugal. Das erzählte ihr Sohn damals der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Zuvor hatte sie mit ihrem Partner, Nikolais Stiefvater, viele Jahre im Norden Kaliforniens gewohnt, 2008 noch in Lagunitas. Kalifornien verließen die beiden im Januar 2017.
Neuere Angaben zu ihrem Wohnort gibt es nicht. Über seine Kindheit sagte Nikolai Kinski in demselben Interview: „Ich habe meinen Vater zwar immer wieder erleben können, aber meine Mutter und mein Stiefvater waren meine Familie.“

