Seit September 2020 präsentiert Nazan Gökdemir im ZDF das „heute journal update“, die Spätausgabe des „heute journal“ vom Mainzer Lerchenberg. Sie wechselt sich dort mit ZDF-Moderator Christopher Wehrmann ab. Seit 2012 gehört die Journalistin außerdem zum Moderationsteam der deutschen Ausgabe des „ARTE Journal“ in Straßburg, zwischen beiden Studios pendelt sie wochenweise. Anfang September 2026 war sie in Straßburg auf Sendung.
Bevor sie 2020 zur Spätausgabe kam, berichtete Gökdemir sieben Jahre lang für das ZDF-Magazin „Forum am Freitag“ über muslimisches Leben in Deutschland. 2016 reiste sie für die Dokumentation „Europas Muslime“ mit dem Islamkritiker Hamed Abdel-Samad durch Europa. Vor einer Moschee in Berlin-Neukölln wurde er bedroht, während sie dabei war.
| Steckbrief | Nazan Gökdemir |
|---|---|
| Geboren | 31. Dezember 1980 in Hannover |
| Alter | 45 Jahre (Stand September 2026) |
| Herkunft | türkische Wurzeln |
| Beruf | Journalistin und Fernsehmoderatorin |
| Im ZDF | „heute journal update“ seit 2020, davor „Forum am Freitag“ (2013 bis 2020) |
| Bei ARTE | „ARTE Journal“, deutsche Ausgabe, seit 2012 |
| Studium | Europäische Medienkultur in Weimar und Lyon |
Inhaltsverzeichnis
Wie Gökdemir zur ZDF-Moderatorin wurde
Die Journalistin mit türkischen Wurzeln wuchs in Garbsen bei Hannover auf. Nach dem Abitur verbrachte sie ein Jahr in Paris, als Praktikantin einer Agentur für internationale Kunst- und Kulturprojekte. Studiert hat sie Europäische Medienkultur, einen zweisprachigen Diplomstudiengang. Die eine Hälfte studierte sie an der Bauhaus-Universität Weimar, die andere an der Université Lumière Lyon 2. Praktika führten sie zum ZDF, zum Saarländischen Rundfunk und zu Euronews.
In Brüssel arbeitete sie 2006 und 2007 für die GTZ, aus der später die GIZ hervorging. 2008 begann sie beim ZDF ein Volontariat und berichtete danach als Reporterin für das Magazin „drehscheibe Deutschland“. Im Januar 2012 moderierte sie zum ersten Mal das „ARTE Journal“, ein Jahr später kam „Forum am Freitag“ im ZDF dazu.
Privatleben
Ihre Biografie beim ZDF nennt Ausbildung und berufliche Stationen, macht aber keine Angaben zur Familie. Ob Gökdemir verheiratet ist oder Kinder hat, geht auch aus Interviews mit ihr nicht hervor.
Die Doku „Europas Muslime“ mit Hamed Abdel-Samad
Für „Europas Muslime“ waren Gökdemir und Abdel-Samad im Sommer 2016 in Deutschland, Belgien, Frankreich und Spanien unterwegs, gedreht wurde für ARTE und ZDF. Der in Ägypten geborene Autor, ein ehemaliger Muslimbruder, zählte zu den profiliertesten Kritikern des Islam in Deutschland. Gegen ihn war eine Fatwa ausgesprochen worden, er stand unter Polizeischutz. Der Film sollte die muslimische Mehrheit zeigen, in einer Debatte, die den Islam fast nur noch mit Terror verband, schrieb die „Neue Zürcher Zeitung“ vor der Ausstrahlung der ersten beiden Teile im April 2017. Gökdemir selbst nannte die Arbeit daran später im Podcast „EMKast“ von Studierenden und Ehemaligen ihres Studiengangs nicht ganz ungefährlich.
Aus Sicherheitsgründen durfte Gökdemir ihren Begleiter bei Gesprächspartnern nicht ankündigen. Junge engagierte Muslime in Berlin erfuhren deshalb erst beim Treffen, wer mit ihr kam. Laut NZZ hatten die Jugendlichen den Eindruck, dass es wegen der Personenschützer wieder nur um Gewalt ging, dabei wollten sie über ihre Zukunft sprechen.
Im Nikab auf der Straße
Bei einem Treffen mit der Autorin Sineb El Masrar machte Gökdemir einen Selbstversuch. Sie legte einen Nikab an, einen Schleier, der nur die Augen frei lässt, und ging damit hinaus. Im Film beschrieb sie, wie eng der Blick durch den Augenschlitz wurde und dass sie ihren Körper nur noch spürte. Den Blicken der Passanten fühlte sie sich ausgesetzt, den Blicken der Männer hielt sie nach eigenen Worten nicht stand. Eingeschüchtert fragte sie sich, wie Emanzipation für eine gläubige Muslimin überhaupt möglich sein könne.
Die Nacht vor der Şehitlik-Moschee
In der 27. Nacht des Ramadan, die viele Muslime als Nacht der Bestimmung begehen, besuchte Gökdemir die Şehitlik-Moschee in Neukölln. Die Sprecherin der Gemeinde, die ebenfalls türkische Wurzeln hat, sagte ihr, bei ihnen sei jeder willkommen. Gökdemir fragte nach, ob das auch für Islamkritiker gelte. Die kämen regelmäßig, auch mit Gruppen, antwortete die Sprecherin. Erst dann nannte sie den Namen ihres Begleiters, und die Sprecherin blieb bei ihrem Ja.
Die Moschee war an diesem Abend so voll, dass das Gespräch mit Abdel-Samad draußen weiterging. Dort erkannte ihn ein Mann und beschimpfte ihn, ein anderer rief, hier werde auch bald Frankreich sein. Personenschützer brachten Abdel-Samad in Sicherheit. „Ich zitter total“, sagte Gökdemir danach.
Der „Tagesspiegel“ deutete den Satz über Frankreich in seiner Kritik vom April 2017 als Anspielung auf den Lkw-Anschlag von Nizza. Das kann nicht stimmen, denn der Ramadan endete 2016 am 5. Juli, der Anschlag geschah neun Tage später.
Auch eine Sufi-Gemeinschaft sagte ein Treffen mit Abdel-Samad ab. Als er später mit Gökdemir über die Anfeindungen sprach, fragte er sie, ob sie glaube, dass er so leben wolle. Die Reise ging über Brüssel, Paris und Marseille bis nach Granada, wo die Große Moschee ihm den Zutritt verweigerte. Mehr als ein Jahr später brachen beide noch einmal auf und drehten zwei weitere Folgen in Bosnien-Herzegowina und Dänemark.
Was Gökdemir über ihre Arbeit sagt
Im selben Podcast erzählte Gökdemir Anfang 2021, dass sie ihre Moderationen selbst schreibe. Oberstes Gebot sei, dass man die Texte versteht, und je normaler sie spreche, desto besser. „Forum am Freitag“ habe zeigen wollen, dass Muslime keine einheitliche Gruppe seien und jeder seine Religion anders verstehe.
In Straßburg moderiert sie für das deutsche Publikum, dieselbe Redaktion macht auch die französische Ausgabe des „ARTE Journal“. Im April 2024 sprach Gökdemir in einem Interview, das der Club de la Presse Strasbourg auf Französisch veröffentlichte, über Unterschiede zwischen beiden Ländern. Beim Gaza-Krieg etwa hielten Franzosen deutsche Journalisten manchmal für zu israelfreundlich, während Deutsche französische Beiträge oft als propalästinensisch empfänden. Ausgewogen zu bleiben, sei jeden Tag schwierig.

